Mittwoch, 27. April 2016

text extracts -Christian Franz-Josef Vollmer

Entstehung der Fünf Welten
Aus dem Medeis
Er war da, weil er da sein sollte. Er war da, weil er der Letzte aus einer vergangenen Zeit war. Er war da, weil er der Einzige der Seinen war.
Er war aus einer Zeit, die vor allem anderen war. Er war aus einer Zeit, die noch vor dem Beginn dessen stand, was er erschaffen würde. Er war aus einer Zeit, die sich selbst verschlungen hatte.
Er war der Überlebende eines Zeitalters, welches keine Bedeutung mehr besaß. Er war der Letzte und zugleich der Erste. Er war das Ende und zugleich der Anfang.
Er war der Zeloo.
Der Zeloo regierte das Medeis, das Nichts, die ewige Leere.
Er war Herrscher dessen, was er sah und was es noch geben würde.
Er war der Herr über allem und über alles, was es noch geben würde und was es noch gab.
Und das war das Medeis.
Das Medeis war in Dunkelheit getaucht, doch in ihr gab es nicht nur sie sich selbst, sondern auch die Finsternis. Eine schwarze, undurchsichtige wolkige Masse, die es schon zu Zeiten vor dem Zeloo gab. Die Finsternis würde es auch nach dem Zeloo noch geben. Sie war Bestandteil des Medeis, wie der Zeloo aus dem Medeis einst hervorgegangen war.
Diese Finsternis konnte der Zeloo trotz seiner Fähigkeiten weder beseitigen, noch durchschauen. Sie war da, weil sie wie er, da sein sollte und sie würde bleiben, so wie der Zeloo bleiben würde.
Der Zeloo wusste nicht, was es dort gab. Der Zeloo glaubte nicht, dass es dort etwas gab. Nachdem sich die Welten selbst und alles was sie umgab, selbst verschlungen hatten, war aus der Finsternis nichts gekommen, um zu zeigen, dass die Finsternis gesiegt hätte. Die Finsternis schwieg.
Der Zeloo war der Erbauer, der Gestalter, der Initiator, der Einzige, der Letzte. Er war der Überstehende aus einer Zeit, die sich selbst verschlungen hatte.
Der Zeloo regierte das Medeis, das Nichts, die ewige Leere.
Er war Herrscher dessen, was er sah und was es noch geben würde. Er war der Herr über allem und über alles, was es noch geben würde und was es noch gab.
Und das war mehr als die Dunkelheit mit seiner Finsternis.
Er war das Licht, die die Hoffnung und die Sehnsucht nährte.
Er war der Zeloo.
Die Finsternis
In der Sprache der Götter bedeutete sein Name ‚etwas im Eifer tun‘. Er trug seinen Namen mit Stolz und nahm ihn wörtlich. Er wollte seinem Namen alle Ehre machen. Seine Gedanken kreisten stets um das Licht, denn das Licht wäre die Zukunft, denn die Dunkelheit war das Vergangene.
Hoffnungsvoll und voller Sehnsucht richtete er seinen Blick in die Zukunft, um das Nichts wieder mit Leben, wie es einst überall herrschte, zu füllen. Er überlegte, was es benötigt, damit es wieder Leben geben würde. Licht und Wärme waren zwei Grundlagen des Lebens. Mit diesem Wissen ließ er irgendwo im Nirgendwo durch die Kraft seiner Fähigkeiten einen glühenden, riesigen und flammenden Feuerball entstehen.
Das entstandene Licht war die Gegenwart und zugleich die Zukunft. Es verdrängte die Dunkelheit – das Vergangene. Die Finsternis verlor ihren Einfluss auf die Dunkelheit und verlor damit an Macht und Größe. Die Finsternis war nur noch ein Schatten ihrer selbst, und würde die Größe, die sie einst besaß, nie mehr besitzen, so langes es den Zeloo gab.
Dennoch war sich der Zeloo bewusst, dass er die Dunkelheit mit ihrer Finsternis nie besiegen könnte. Denn sie bestand schon vor ihm selbst und war schon immer fortwährender Teil dessen, was es gab. Er konnte die Dunkelheit nur überlisten.
Der Zeloo band die Dunkelheit mit in seine Schöpfung – dem Licht – ein. Trotz oder wegen dem Bewusstsein, dass aus der Finsternis bisher nichts Gutes erstanden war, musste sie Teil dessen werden, was er gedachte zu erschaffen. Damit das, was er erschuf, Bestand haben würde. Denn das was er gedachte zu erschaffen, sollte von Grund auf gut sein. So hoffte der Zeloo könnte er etwas erschaffen, was von Dauer war und kein Ende kennen würde.
Denn die Finsternis im Medeis war einst der Beginn des Untergangs des Vergangenen. Aus der Finsternis erstiegen die Dämonen des dunklen Lichts, die Frucht allen Übels, die die Welten, wie sie der Zeloo kannte, bis auf das Letzte verschlangen. Er war der Letzte, der dies erlebt hatte und er war der Letzte, den es noch gab. Er war nicht der Bezwinger der Finsternis, aber er hatte den Sturm der Finsternis überlebt.
An diese vergangene Zeit erinnerte kaum mehr etwas. Nur vereinzelte Trümmer der vernichteten Welten schwebten in weiter Ferne durch das Medeis. Sie schwebten weit entfernt von der Finsternis. Unerreichbar für jeden, der sie erreichen wollte. Unerreichbar für jeden, der Böses erdachte, um das was der Zeloo schaffen wollte, zu vernichten.
Die Reste waren Mahnmale des Vergangenen und mahnten den Zeloo, was mit den Seinen geschehen war. Sie waren Mahnmale der Arroganz der Seinen. Mahnmale des Größenwahns der Seinen. Mahnmale von Welten, die sich einst selbst verschlangen. Und das sollte sich nicht wiederholen.
Der Zeloo legte einen Eid vor sich selbst ab, da es keinen anderen mehr gab, vor dem er einen Schwur hätte ablegen können. Er schwor, dass die Dämonen, die einst den Untergang seiner Welten verschuldeten, nie wieder aus der Finsternis erstehen sollten. Er schwor, dass sie niemals wieder die Macht besitzen sollten, derartiges zu tun. Nie wieder sollten die Dämonen der Finsternis körperliche Gestalten annehmen und ihr Werk der Zerstörung vollziehen. Nie wieder sollten sie seine Schöpfung von den Bestien der Finsternis bedroht sein. Nie wieder sollten sie eine Rolle spielen.
Einen Verbündeten hatte er sich schon erschaffen: Seinen Feuerball. Seine hell goldenen und kraftvoll lodernden Strahlen schickten eine eindeutige Botschaft tief in das Medeis. Das Zeitalter des Lichts hatte begonnen.
Seine Strahlen erleuchteten die Dunkelheit, so dass die Finsternis weiter schwand. Doch er musste sich erst vergewissern, dass aus der Finsternis nichts Böses mehr erwachsen könnte. Er zwang sich in die Finsternis mit dem Bewusstsein, dass er nicht zurückkehren könnte, falls sich noch ein Dämon in ihr versteckte. Doch er fand in der Dunkelheit des Nichts nur die Finsternis selbst. Er sah, hörte, fühlte, roch und schmeckte nichts. Nichts verriet, ob sich noch etwas tief in der Finsternis versteckte. Der Zeloo fühlte sich bestärkt, dass durch die Vernichtung dessen, was einst war, die Dämonen der Finsternis mit vernichtet worden waren. Doch er vertraute seinen Sinnen nicht, sondern vertraute seiner Vorahnung. Um jede Gefahr auszuschließen, band er die Finsternis in sich selbst. Es sollte ein Kerker sein. Ein Kerker, der die Finsternis einschloss. Ein Kerker, der die Finsternis nie wieder entlassen würde. Ein Kerker, in den es nur ein Hinein, aber nie wieder ein Hinaus gäbe. So warb er ein engmaschiges, unsichtbares und magisches Netz um die Finsternis. Nichts, was jemals daraus hervorgehen wollte, konnte dieses Netz durchbrechen. Die Finsternis war in sich selbst gefangen. Gefangen in der Ewigkeit ihrer eigenen Finsternis.
© Christian Franz-Josef Vollmer



Hier der link zur Autorenseite von Christian Franz - Josef Vollmer :

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen