Sonntag, 24. April 2016

text extracts - Sascha Zurawczak

Klago erkannte Sariejas Spuren. Zunächst war es nicht schwer, ihrer Fährte zu folgen.
Klar und deutlich zeichnete sie sich auf dem Straßenpflaster ab. Doch als Klago in die belebteren Teile der Stadt kam, waren hier, trotz der späten, beziehungsweise frühen Stunde, noch immer so viele Menschen unterwegs, dass es Klago schwerfiel, die Spur zwischen deren Füßen zu erkennen. Schläft diese Stadt denn nie?, fragte er sich. Offenbar nicht. Trotz solcher Widrigkeiten, schaffte es Klago, Sariejas Schritten bis zur jenem Amüsierviertel zu folgen, das sie schon auf ihrem Weg zum Gasthaus durchquert hatten. An dem Sariejas großes Interesse gezeigt hatte.
O nein, dachte Klago. Hoffentlich ist sie nicht in eine von diesen Spelunken gegangen. Doch seine Hoffnung wurde enttäuscht. Denn wie Klago kurz darauf feststellen musste, führten Sariejas Spuren zu einer Glücksspielkneipe, die so zwielichtig und verkommen aussah, dass selbst Klago Hemmungen hatte, dort hineinzugehen.
Und das, obwohl er schon, ohne zu zögern, in Hexenwälder, Geisterburgen und Monsterhöhlen gestürmt war. Die Kleine bringt mich noch um, dachte Klago. Die Typen da drin fressen sie doch in einem Stück! Klago musste sie da rausholen, bevor noch etwas Schlimmes geschehen konnte. Also betrat der junge Wächter die Kneipe.
Er ging durch die schmale Tür, über der der Name dieser Örtlichkeit stand: Goldtopf. Kein Name hätte weniger passen können. Das begriff Klago, nachdem er einen Blick in den Bau geworfen hatte. Der ganze Raum war voller Menschen, denen man nicht einmal bei Tageslicht gerne begegnet wäre. Die Luft stank nach Tabakqualm, starkem Alkohol und schlechten Gedanken. Klago erkannte nun, was der irreführende Name „Goldtopf“ bedeutete. Es war genau das, worauf die Anwesenden aus waren. Wohin man auch sah saßen Männer, die dem Glücksspiel nachgingen, in der Hoffnung, den großen Profit zu machen.
Und den „Goldtopf“ zu gewinnen. Obwohl sie wissen sollten, dass nur die Geschicktesten dies jemals schaffen konnten. Davon schien es hier genug zu geben. Die meisten der Spielenden schienen das beruflich zu tun und konnten davon teilweise gut, größtenteils eher schlecht leben. Auch wenn diese Art Leben aus Lug, Betrug und schlechtem Gewissen bestand. Sarieja hätte sich an keinen übleren Ort verirren können. Klago musste sie schnell finden, bevor sie noch als Einsatz irgendeines Zockers endete. Doch wo sollte er sie in diesem Gewirr finden?
Die meisten Spieler standen um einen Tisch herum, an dem eine Gruppe von Leuten Karten spielte. Genau genommen waren es nur noch zwei, die spielten. Alle anderen hatten wohl ihre Einsätze schon verloren und waren ausgeschieden. Der eine, der noch im Spiel war, war ein groß gewachsener Mann, der aussah, als würde er sogar seine eigene Mutter verzocken.
Die andere Person war – Sarieja!
© Sascha Zurawczak

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