Sonntag, 17. Juli 2016

Meine fünf Minuten - Ich hau dann mal ab! Ihr kriegt mich eh nicht!

Es ist ein warmer Tag, endlich sind wir Hessen. Niedersachsen ist nicht mehr weit. Göttingen ist nah...........Ich höre mich laut aufschreien. Mein Mann tritt auf die Bremsen. Schon sehe ich das Heck eines Kleinwagens gegen unseren rechten Kotflügel knallen. Der Aufprall erschüttert unser Auto. Presst mich in den Sitz. Das kleine Auto prallt gegen graues Beton. Wirbelt in die Luft und überschlägt sich zweimal, um schließlich auf der Mittelfahrbahn auf dem Dach zum Stillstand zu kommen.
Einen Augenaufschlag läuft alles in Zeitlupe.
Stille und Ungewissheit.
In dem kleinen Wagen rührt sich nichts. Ich greife zum Handy, kletter über den Beifahrersitz zum Fahrersitz rüber. Wähle den Notruf und berichte mit zitternder Stimme.
Überall liegen Autoteile und Glassplitter.
Plötzlich sehe ich vier junge Mädchen. Panisch grabbeln sie aus dem Auto. Sie laufen zu mir rüber.
Ein Auto mit Wohnmobil hält in einiger Entfernung, dann fährt er weiter. Die Mädchen sind aufgeregt und weinen ein wenig. Ich versuche sie zu trösten und mit Pflastern zu versorgen. Sie erzählen mir, dass sie wegen einem Auto mit Wohnmobil ausweichen mussten.
Ein anders Auto mit einer jungen Familie hält einige Meter hinter unserem Wagen und hilft uns die Unfallstelle zu sichern. Die junge Frau kommt mit einer Flasche Wasser. Wir hören Sirenen. Feuerwehr, Notarzt und Polizei...... ein Hubschrauber...... Mir wird langsam bewusst, dass das Auto mit Wohnmobil Fahrerflucht begangen hat........
Das ist gestern Vormittag auf der Autobahn in der Nähe des Fuldatals geschehen.
Normalerweise versuche ich grundlegend diplomatisch zu sein. Nur hier geht es einfach nicht mehr. Hier standen Leben auf dem Spiel!

Immer mehr begehen Fahrerflucht. Die Statistik ist beängstigend und besorgniserregend zugleich. Letztes Jahr waren es 500000, die sich feige aus dem Staub gemacht haben! Tendenz steigend.
Was sagt das aus? 
Meine Frage:
Wie lebt man damit, dass man (in unserem Fall) sechs Leben einfach mal so auf Spiel gesetzt hat? Wie lebt man mit der Ungewissheit, ob es die Betroffenen überlebt haben oder nicht? Ich weiß, Angst ist ein mächtiger Gegner, aber das Gewissen auch. 
Ein Rat von mir, Angst ist ein schlechter Wegbegleiter und v.a. Lebensberater. Er hat noch nie zu etwas verholfen. Im Gegenteil! 
Sicher ich könnte hier jetzt unsere Bilder des Unfalls posten. Nur das werde ich nicht tun.
Noch ein Wort zu den Gaffern.
Eure teuren Smartphones sind nicht nur zum Bilder und Videos machen da, um es schnell auf FB zu posten!  
Ich werde grundlegend immer wieder Bilder von Euch machen. Nicht weil ihr so fotogen und hübsch seid. Nein ganz bestimmt nicht......
Leider kann man sich Rückrat noch nicht kaufen, weder online noch im nächsten Laden. Eine App gibt es auch noch nicht. So ein Mist! 
Ich möchte mich nochmals bei der Feuerwehr, Polizei und den Sanitätern Nordhessen bedanken. 
Merci 
Bildquelle Pixabay

1 Kommentar:

  1. Cooler Text. Geschwindigkeitsrekord gebrochen. :) auch etwas schockierend. Musste erstmal überlegen, ob Fiktion oder Ergebnisbericht. Wie auch immer. Ich liebe die direkte Wucht und die Geschwindigkeit des Textes.
    Grüße
    Holger karske

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