Sonntag, 14. August 2016

text extracts - Jürgen Schaaf

Todesfalle
Hast Du schon einen Plan?“
Ja, das heißt, hm, eigentlich, na ja“, stammelte der alte Magier.
Willst Du damit andeuten, dass Du noch keine Ahnung hast, was wir in der Festung tun werden?“, fragte Sarah empört.
Doch, doch, das weiß ich schon“, antwortete Alihadzi kleinlaut. „Aber einen konkreten Plan habe ich noch nicht, muss ich gestehen.“
Also, was machen wir, wenn es uns gelingt, in die Festung einzudringen?“, fragte Martin.
Wir müssen unter allen Umständen zuerst Carrazax finden“, antwortete der alte Magier.
Kannst Du ihm denn vertrauen?“, wollte Sarah wissen.
Was bleibt uns anderes übrig?“, antwortete Alihadzi bitter. „Ich hatte eigentlich meine Hoffnung auf Hauptmann Mehdo gelegt, aber wenn es zutrifft, was Barbarossa uns berichtet hat, dann wird Mehdo von Ramish's Getreuen überwacht und bespitzelt. Carrazax ist ein unscheinbarer Mann und hält sich stets im Hintergrund. Ich kenne ihn schon sehr lange. Er ist nicht der Heißsporn, der erst handelt und danach über die Konsequenzen nachdenkt, sondern genau das Gegenteil davon. Ich kenne ihn als einen ruhigen und besonnenen Menschen, bescheiden und absolut unauffällig, aber dennoch sehr zielgerichtet in seinem Handeln. Ja, ich vertraue ihm. Ich bin mir sicher, dass er uns unterstützen wird.“
Sarah und Martin sahen ihren alten Freund nachdenklich an.
Gut! Dann werden wir erst konkrete Pläne schmieden, wenn wir mit ihm gesprochen haben. Habe ich recht, Alihadzi?“, fragte Martin.
Ja, mein Freund. So hatte ich mir das vorgestellt“, sagte Alihadzi leise und zupfte an seinem Bart. Plötzlich blieb er unvermittelt stehen.
Was ist los?“, fragte Sarah ängstlich.
Ich spüre die Nähe von Almandina“, sagte er aufgeregt. „Wartet!“
Einen Moment verharrte er still und regungslos. Dann wich die Anspannung aus seinem Gesicht.
Ich habe gerade mit Almandina gesprochen, äh, na ja, Ihr wisst schon, was ich meine. Sie ist unbehelligt zu ihre Höhle zurückgekehrt und wartet dort auf unsere Anweisungen. Die Wachen haben bei ihrer Ankunft keinen Alarm geschlagen. Sie vermuten offensichtlich keine List“, berichtete er knapp. „Dem Himmel sei Dank! Sonst hätte die Offensive der Fürsten schon längst stattgefunden.“
Seine beiden Gefährten nickten zufrieden.
Dann können wir ja beruhigt weitergehen“, schlug Martin vor.
Eine weitere Stunde im Stollen verlief ereignislos, als Martin plötzlich die Stille durchbrach.
Seht mal, die Farbe des Gesteins ändert sich. Den ganzen Weg bis hierher war der Felsen grau, aber seht dort, er ist viel dunkler, fast schwarz.“
Du hast recht. Er sieht aus, wie der Felsen, auf dem die Festung steht. Möglicherweise haben wir unser Ziel schon bald erreicht“, sagte Alihadzi erleichtert.
Falls es keine Gesteinsader ist, die uns voreilige Schlüsse ziehen lässt“, warnte Sarah.
Alihadzi ging rasch weiter und betrachtete dabei neugierig die Felswände des Stollens. Die Farbe des Gesteins änderte sich nicht mehr. Alihadzi war sich jetzt sicher, den Felsen tief unter der Festung betreten zu haben.
Spürt Ihr das auch?“, fragte er seine beiden Begleiter. Ein kühler Luftzug strich um seine Beine.
Es ist kühler geworden“, sagte Martin.
Ja“, sagte der alte Magier. „Aber das ist nicht alles. Ich spüre auch einen leisen Windhauch. Der Gang scheint bald zu Ende zu sein, aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo wir herauskommen. Aus diesem Grund sollten wir uns jetzt besser absolut ruhig verhalten.“
Alihadzi ging vorsichtig weiter. Bald machte der Gang eine scharfe Biegung nach links.
Oh!“, entfuhr es dem alten Magier. „Seht Euch das an!“
Ein gigantischer, quadratischer Schacht tat sich vor ihnen auf. Seine senkrechten Wände schimmerten schwarz und glatt. Sie befanden sich in einer der vier Ecken, in denen die Seitenwände im rechten Winkel aufeinander trafen. Direkt vor ihnen schien ein kleines, hölzernes Podest über dem Abgrund zu schweben. Von ihrem Standpunkt aus konnten sie weder den Boden, noch das obere Ende des Schachts erkennen. Dazu reichte das Licht der kleinen Fackel nicht aus. Die einzige Möglichkeit weiterzugehen, boten dicke, waagerechte Balken, die in regelmäßigen Abständen in die Seitenwände des Schachts eingelassen waren. Die offenen Enden der Balken ragten frei über der Tiefe. Sie waren knapp drei Fuß lang und einen Fuß breit und boten gerade Platz genug für eine Person. Die Balken, jeweils eine Schrittweite voneinander entfernt, führten stetig aufwärts, lediglich unterbrochen von kleinen Podesten in den Ecken des Schachts. Ein dickes Halteseil war entlang der Balkentreppe an der Schachtwand befestigt, doch es konnte seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Es zeigte sich morsch und an vielen Stellen bereits ausgefranst oder gar gerissen.
Was bringt Menschen dazu, solche Bauwerke zu errichten“, fragte sich Martin angesichts dieses Anblicks.
Angst, mein Junge, pure Angst“, antwortete Alihadzi.
Wovor hatten die Menschen solche Furcht, dass sie Jahrzehnte an diesem Schacht gemeißelt haben?“ Martins Neugier war geweckt.
Sie hatten Angst vor den Oggern. Dessen bin ich mir ganz sicher“, antwortete der alte Magier. „Seht nur, der Abstand zwischen den Balken ist so bemessen, dass ein Mensch mit großen Schritten über die Reihe der Balken aufsteigen kann. Ogger haben kürzere Hinterläufe. Sie müssten von Balken zu Balken springen. Und mit ihren messerscharfen Krallen nutzt ihnen das Halteseil auch recht wenig. Und ich glaube nicht, dass hier so lange an dem Schacht gearbeitet wurde, meine Freunde. Das hier ist das Werk von Magiern.“
Was macht Dich so sicher?“, fragte Sarah.
Seht Ihr, wie die Wände im Fackelschein glänzen? Sie ähneln geschmolzenem Glas. Das ist nicht das Werk von Steinmetzen. Die Felsen wurden mit großer Hitze bearbeitet“, mutmaßte Alihadzi. „Ich wüsste zu gerne, wie sie es gemacht haben“, sagte er bedauernd...

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