Sonntag, 28. August 2016

Textschnipsel

Auch heute gibt es einen Satz aus meinem aktuellen Projekt, dessen Titel ich Euch noch nicht verrate...Da alles geheim ist und überhaupt! So! 



Samstag, 27. August 2016

Geburtstag Widerwillen

Ich lief, was das Zeug hielt. Jeden Tag Stunden lang, bei Wind und Wetter. Zweimal am Tag umkreiste ich panisch hechelnd den Baggersee. Ich lief vor meiner Angst, nein vor mir weg. So verpackte ich die Diagnose Hydronephrose auf meine Art und Weise. Mir rann die Zeit davon. Nur noch drei Wochen bis zum 24.09., dann würde ich meine linke Niere für immer verlieren. Ich wurde noch nie operiert und ich war noch nie wirklich krank. Es überforderte mich und machte mir Angst.
Meine Sorgen und Ängste griffen mich bevorzugt nachts an. Es gab kein entkommen, sie lauerten zähnefletschend in der Dunkelheit und warteten auf den günstigsten Moment. Nervös lief ich dann in der hell beleuchteten Wohnung hin und her, versuchte sie verzweifelt abzuschütteln, bis ich völlig übermüdet auf dem Sofa einschlief. Aus Verzweiflung aß ich nicht mehr und hungerte mich in nur wenigen Wochen auf 43 kg runter. Meine Familie und Freunde machten sich große Sorgen. Doch ihr wohlgemeinter Zuspruch und Trost prallte an mir ab. Vergeblich versuchte ich meine schrägen Gedanken über den Tod und meine Beerdigung zu sortieren, die jederzeit über mich herfielen wie ein Rudel hungriger Wölfe. Ich malte mir aus wie es ist zu sterben, wie es ist begraben zu sein. Die Gedanken erdrückten mich. Ich zog mich immer mehr zurück. Die Tage rauschten an mir vorbei, alles ging mir zu schnell. Schon stand der Op-Termin vor meiner Tür und ich fand mich in einem dünnem Nachthemdchen gekleidet im Op-Saal der Uniklinik Göttingen wieder. Der Anästhesist plapperte irgendetwas, dann kam die große Spritze. Randvoll mit weißem Zeug, was mir in die Vene gejagt wurde. Das Narkosemittel wirkte rasch. Für einen Moment war ich frei. Frei von meinen Gedanken, von meinem Schmerz und Leid. Wie ein Blatt in einer lauen Sommerbrise ließ ich mich treiben. Mir wurde warm. Ich fühlte mich wohl und geborgen. Vier Stunden später wachte ich im Aufwachraum auf. Verschwommen sah ich die besorgten und ernsten Gesichter meiner Eltern über mir. Ich ertrug ihren Anblick nicht und bat sie zu gehen.
Anderthalb Tage schlief ich und wachte an einem grauen Morgen wieder auf. Passend zu meiner Stimmung. Erschrocken sah ich, dass an mir Schläuche hingen. Ich bewegte mich und schrie auf. Der Schmerz traf mich unvermittelt, so mussten sich also die Ritter nach einem Flankenhieb fühlen. Vorsichtig fasste ich mir an die Seite und spürte einen überdimensionales Pflaster. Langsam fuhr ich mit den Fingerspitzen darüber. Ich spürte eine Reihe Klammern, die mein Fleisch und die Haut meiner linken Körperhälfte zusammenhielten. Bedrückt sah ich mich in dem Zimmer um. Ich kam mir vor, als hätte ich eine Zeitreise gemacht. Das Zimmer war karg und wie in den 1970zigern eingerichtet. Hellgrüne Wände, orangefarbene Vorhänge an den Fenstern und eine Waschgelegenheit, die von ein orangefarbener Vorhang mit ockerfarben Muster abgerundet wurde, vervollständigten meinen Eindruck. Es klopfte, mein Vater trat ins Zimmer. Bedrückt, jedoch grinsend stand er vor mir. » Wie geht`s meinem Mädchen?« »Den Umständen«, gab ich knapp wieder. »Wollen wir eine rauchen?« »Ja!« Ich drückte den Knopf, der mir eine Schwester herbeizauberte. Lächelnd kam sie herein. »Ich möchte aufstehen!« »Warten Sie einen Moment.Da muss ich erst Fragen.« Dann verschwand sie wieder. Fünf Minuten später kehrte sie mit einem Rollstuhl zurück. Mein Vater und die Schwester halfen mir auf. Wieder traf mich der Schmerz. Ich biss die Zähne zusammen, ich wollte unbedingt aus diesem tristen Zimmer. Mit wackeligen Beinen stützte ich mich am Griff des Rollstuhls ab. Die Schwester befestigte meine Infusionen und den peinlichen Katheterbeutel. Zufrieden legte sie eine leichte Decke auf meinen Schoß. Schon schob mich mein Vater denn nach Desinfektionsmittel riechende Gang entlang.
Dichter Qualm schlug uns entgegen, als wir den Raucherraum betraten. Genüsslich zog ich an meiner Zigarette. Meine Lungen füllten sich mit den beruhigenden Rauch. Mein Vater redete nicht viel, dafür war ich ihm heute besonders dankbar. Wir blieben noch zwei weitere Zigaretten dort, dann brachte mich er mich ins Zimmer zurück. Vorsichtig half er mir ins Bett und drückte mich sanft, »Morgen komm ich mit Deiner Mutter! Sie muss sich auch erst einmal beruhigen.« Ich konnte meine Mutter verstehen. Die Situation war nicht einfach für sie. Es war schwer für sie ihr Kind so zu sehen. Auch sie brauchte Zeit, um ihre Sorgen und Ängste zu verarbeiten. Kaum lag ich wieder im Bett, betrat ein Tross murmelnder Ärzte in wallenden weißen Kitteln mein Zimmer. Amüsiert und entgeistert beobachtete ich die Szene. Zwölf junge Mediziner und ein ergrauter Stationsarzt standen im Halbkreis vor mir. Der Stationsarzt sprach in schneller kryptischer Sprache und die anderen beeilten sich die Hieroglyphen aufzumalen, die er von sich gab. Der Stationsarzt setze sich in Bewegung, konzentriert dreinschauende Gesichter folgten ihm. So lief er referierend im Raum auf und ab, schon schritt er zur Tür und ging. Im Gänsemarsch folgten ihm die Jungen. Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause, dachte ich. Ruhe breitete sich im Zimmer aus und ging in Melancholie über. Ich schloss die Augen. Gedanken stürmten auf mich ein. Jetzt hatte ich nur noch eine Niere. Was ist, wenn auch sie bald nicht mehr richtig funktioniert? Was ist, wenn ich an die Dialyse muss? Damit bin ich dem Tod einen Schritt nähergekommen. Ein Bild tauchte vor meinem inneren Auge auf, wie ich an einem piependem Gerät mit Schläuchen saß. Krampfhaft versuchte ich an etwas anderes zu denken. Ich zählte die Tage bis zu meiner möglichen Entlassung, doch das Bild wollte einfach nicht verschwinden. Ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals. Am liebsten hätte ich meine Wut und Trauer herausgeschrien. Tränen rannen mir übers Gesicht. Schluchzend lag ich in meinem Bett und schlief irgendwann ein. Ein zaghaftes Klopfen weckte mich. Es war bereits dunkel, als im Zimmer das kalte Licht anging. Verweint und zersaust richtete ich mich stöhnend auf. Meine Freunde standen gestriegelt und gestylt in ihren besten Petticoats und Lederjacken vor mir. Grinsend hielten sie eine Schokotorte mit einer Kerze in der Hand. Leise sangen sie für ihre kleinen Metallhead »Happy Birthday«. Wie recht sie hatten. Ich lachte und weinte zugleich.
© Lorelay Lost 

Montag, 22. August 2016

Barmherzickigen Schwestern

Natürlich aus einer Laune heraus und vielen Lachanfall- Chats ist die neue satirsiche Seite "Barmherzickigen Schwestern" entstanden.
Meine Kollegin Andrea R Walla und moi werden Euch zukünftig und regelmäßig mit einem Satire Blog .... unerhalten...zukleistern, ach was auch immer.
Nur zum Verständnis, es kommen unterschiedlich Geschmacksrichtungen vor , von süßsauer bis ultrascharf. Also schnallt Euch gefälligst an! Sicherheit geht vor.
Da ich heute meinen barmherzickigen hab, geb ich  Euch mal den link: 
Uns gibt es auch auf FB:

Sonntag, 21. August 2016

Ein Textschnipsel

Guten Morgen meine Lieben!
Im Augenblick arbeite ich ja an einigen diversen geheimen Geheimprojekten. Heute habe ich mir gedacht, ich teile mit Euch einen kleinen Textschnipsel  aus einem meiner aktuellen "Nebenprojekte". Ich will noch nicht zu viel verraten, aber es unterscheidet sich sehr von meiner Kurzgeschichte "Das Bild der Lady Grace - Jake". Das Manuskript ist ja grad noch in Arbeit. 
Ich hoffe sehr, dass ich dieses kleine spannende "Nebenprojekt" bald für Euch veröffentlichen kann. 
So, nun wünsche ich Euch einen entspannten Sonntag. Kommt gut in die neue Woche.
GLG Eure Lorelay 

Sonntag, 14. August 2016

text extracts - Jürgen Schaaf

Todesfalle
Hast Du schon einen Plan?“
Ja, das heißt, hm, eigentlich, na ja“, stammelte der alte Magier.
Willst Du damit andeuten, dass Du noch keine Ahnung hast, was wir in der Festung tun werden?“, fragte Sarah empört.
Doch, doch, das weiß ich schon“, antwortete Alihadzi kleinlaut. „Aber einen konkreten Plan habe ich noch nicht, muss ich gestehen.“
Also, was machen wir, wenn es uns gelingt, in die Festung einzudringen?“, fragte Martin.
Wir müssen unter allen Umständen zuerst Carrazax finden“, antwortete der alte Magier.
Kannst Du ihm denn vertrauen?“, wollte Sarah wissen.
Was bleibt uns anderes übrig?“, antwortete Alihadzi bitter. „Ich hatte eigentlich meine Hoffnung auf Hauptmann Mehdo gelegt, aber wenn es zutrifft, was Barbarossa uns berichtet hat, dann wird Mehdo von Ramish's Getreuen überwacht und bespitzelt. Carrazax ist ein unscheinbarer Mann und hält sich stets im Hintergrund. Ich kenne ihn schon sehr lange. Er ist nicht der Heißsporn, der erst handelt und danach über die Konsequenzen nachdenkt, sondern genau das Gegenteil davon. Ich kenne ihn als einen ruhigen und besonnenen Menschen, bescheiden und absolut unauffällig, aber dennoch sehr zielgerichtet in seinem Handeln. Ja, ich vertraue ihm. Ich bin mir sicher, dass er uns unterstützen wird.“
Sarah und Martin sahen ihren alten Freund nachdenklich an.
Gut! Dann werden wir erst konkrete Pläne schmieden, wenn wir mit ihm gesprochen haben. Habe ich recht, Alihadzi?“, fragte Martin.
Ja, mein Freund. So hatte ich mir das vorgestellt“, sagte Alihadzi leise und zupfte an seinem Bart. Plötzlich blieb er unvermittelt stehen.
Was ist los?“, fragte Sarah ängstlich.
Ich spüre die Nähe von Almandina“, sagte er aufgeregt. „Wartet!“
Einen Moment verharrte er still und regungslos. Dann wich die Anspannung aus seinem Gesicht.
Ich habe gerade mit Almandina gesprochen, äh, na ja, Ihr wisst schon, was ich meine. Sie ist unbehelligt zu ihre Höhle zurückgekehrt und wartet dort auf unsere Anweisungen. Die Wachen haben bei ihrer Ankunft keinen Alarm geschlagen. Sie vermuten offensichtlich keine List“, berichtete er knapp. „Dem Himmel sei Dank! Sonst hätte die Offensive der Fürsten schon längst stattgefunden.“
Seine beiden Gefährten nickten zufrieden.
Dann können wir ja beruhigt weitergehen“, schlug Martin vor.
Eine weitere Stunde im Stollen verlief ereignislos, als Martin plötzlich die Stille durchbrach.
Seht mal, die Farbe des Gesteins ändert sich. Den ganzen Weg bis hierher war der Felsen grau, aber seht dort, er ist viel dunkler, fast schwarz.“
Du hast recht. Er sieht aus, wie der Felsen, auf dem die Festung steht. Möglicherweise haben wir unser Ziel schon bald erreicht“, sagte Alihadzi erleichtert.
Falls es keine Gesteinsader ist, die uns voreilige Schlüsse ziehen lässt“, warnte Sarah.
Alihadzi ging rasch weiter und betrachtete dabei neugierig die Felswände des Stollens. Die Farbe des Gesteins änderte sich nicht mehr. Alihadzi war sich jetzt sicher, den Felsen tief unter der Festung betreten zu haben.
Spürt Ihr das auch?“, fragte er seine beiden Begleiter. Ein kühler Luftzug strich um seine Beine.
Es ist kühler geworden“, sagte Martin.
Ja“, sagte der alte Magier. „Aber das ist nicht alles. Ich spüre auch einen leisen Windhauch. Der Gang scheint bald zu Ende zu sein, aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo wir herauskommen. Aus diesem Grund sollten wir uns jetzt besser absolut ruhig verhalten.“
Alihadzi ging vorsichtig weiter. Bald machte der Gang eine scharfe Biegung nach links.
Oh!“, entfuhr es dem alten Magier. „Seht Euch das an!“
Ein gigantischer, quadratischer Schacht tat sich vor ihnen auf. Seine senkrechten Wände schimmerten schwarz und glatt. Sie befanden sich in einer der vier Ecken, in denen die Seitenwände im rechten Winkel aufeinander trafen. Direkt vor ihnen schien ein kleines, hölzernes Podest über dem Abgrund zu schweben. Von ihrem Standpunkt aus konnten sie weder den Boden, noch das obere Ende des Schachts erkennen. Dazu reichte das Licht der kleinen Fackel nicht aus. Die einzige Möglichkeit weiterzugehen, boten dicke, waagerechte Balken, die in regelmäßigen Abständen in die Seitenwände des Schachts eingelassen waren. Die offenen Enden der Balken ragten frei über der Tiefe. Sie waren knapp drei Fuß lang und einen Fuß breit und boten gerade Platz genug für eine Person. Die Balken, jeweils eine Schrittweite voneinander entfernt, führten stetig aufwärts, lediglich unterbrochen von kleinen Podesten in den Ecken des Schachts. Ein dickes Halteseil war entlang der Balkentreppe an der Schachtwand befestigt, doch es konnte seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Es zeigte sich morsch und an vielen Stellen bereits ausgefranst oder gar gerissen.
Was bringt Menschen dazu, solche Bauwerke zu errichten“, fragte sich Martin angesichts dieses Anblicks.
Angst, mein Junge, pure Angst“, antwortete Alihadzi.
Wovor hatten die Menschen solche Furcht, dass sie Jahrzehnte an diesem Schacht gemeißelt haben?“ Martins Neugier war geweckt.
Sie hatten Angst vor den Oggern. Dessen bin ich mir ganz sicher“, antwortete der alte Magier. „Seht nur, der Abstand zwischen den Balken ist so bemessen, dass ein Mensch mit großen Schritten über die Reihe der Balken aufsteigen kann. Ogger haben kürzere Hinterläufe. Sie müssten von Balken zu Balken springen. Und mit ihren messerscharfen Krallen nutzt ihnen das Halteseil auch recht wenig. Und ich glaube nicht, dass hier so lange an dem Schacht gearbeitet wurde, meine Freunde. Das hier ist das Werk von Magiern.“
Was macht Dich so sicher?“, fragte Sarah.
Seht Ihr, wie die Wände im Fackelschein glänzen? Sie ähneln geschmolzenem Glas. Das ist nicht das Werk von Steinmetzen. Die Felsen wurden mit großer Hitze bearbeitet“, mutmaßte Alihadzi. „Ich wüsste zu gerne, wie sie es gemacht haben“, sagte er bedauernd...

Hier der link zum Buch "Der alte Magier: Königreich Logorien" 

Natürlich könnt Ihr auch meinen geschätzten Kollegen und wundervollen Autor Jürgen Schaaf  besuchen: